Freitag ist Einkaufstag. Ich nenne es auch „Nahkampf in Vollendung“ oder – je nach Stimmung – „Überlebenskampf“. Freitag ist auch der Tag, an dem die Supermarkt-Parkplätze überfüllt sind, Fahrzeugkolonnen sich in Richtung Lebensmittel wälzen und Schlachtpläne entworfen werden.
Auch uns waren die Lebensmittel ausgegangen und so reihten wir uns brav in die Kolonne gen Supermarkt ein. Das Wetter war in etwa so bescheiden wie unsere Stimmung. Es regnete. Es stürmte. Es war Herbst in seiner Perfektion. Lass uns also shoppen. Das dachten sich offenbar alle Einwohner unseres Ortes und verabredeten sich zu einem geheimen Meeting – die Freimaurer Bayerns sozusagen. Bereits auf dem Parkplatz zeigte sich das ganze Ausmaß. Wo einst Asphalt zwischen den Rädern durchblitzte, war es Schwarz. Nicht einfach nur Schwarz, sondern Pechschwarz – so schwarz, das sich selbst die Hölle fürchtete. Reifen an Reifen drängten sich aneinander. Die deutsche Kuschelmentalität hatte nun auch bei den Fahrzeugen Einzug gehalten.
Gott sei Dank fahren wir einen Mini und quetschten uns zwischen einem SUV mit den Ausmaßen eines Panzers und einem alten Opel Ascona, dessen Rostflecken uns anklagend ansahen. Nur mühsam entkamen wir unserem Fahrzeug und schworen uns erneut, endlich abzunehmen. Millimeterarbeit in Perfektion. Unsere Speckröllchen wurden exakt berechnet und gleichmäßig auf den vorhandenen Raum verteilt.
Irgendwann hatten wir es rausgeschafft. High Five und ab ins Getümmel. So der Gedanke. Was aber dann kam, hätte jeden Thriller-Autor geschockt. Menschen über Menschen im Kampf um Ressourcen. Es wurde geschoben, gedrängelt, geboxt und gekniffen. Waghalsige Überholmanöver ließen meinen Atem stoppen. Das Kreischen kollidierender Einkaufswagen ging harmonisch in menschliche Fäkalsprache über.
Der mir Angetraute und ich sahen uns panisch an. Fluchtgedanken wechselten sich ab mit Wut, Aggression und Verzweiflung. Hektisch bahnten wir uns einen Weg zurück in die Freiheit. Viel mussten wir uns nicht sagen. Wir verstanden uns blind.
Unsere Diät beginnt jetzt. Und so fuhren wir heim – hungrig, aber auf menschenleeren Straßen. Nächste Woche reicht auch noch. Bis dahin haben wir unsere Fingernägel.