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Bob ist ein großer Mann. Nicht so groß wie ein Mammutbaum, aber groß genug, um aus der Menge herauszuragen. Bob mag seine Größe, gibt sie ihm doch die Macht, aufzufallen, und Bob fällt gern auf.

Jeden Morgen setzt er sich seinen schwarz-weiß karierten Hut auf, schlüpft in seine weißen Cowboy-Stiefel aus echtem Wildleder, wirft sich den rosafarbenen Umhang um und geht auf den Markt. Immer an seiner Seite Bruno – ein Fellbündel vor dem Herrn und struppig wie ein Schrubber in Straßenköterblond. Im seidenen Mäntelchen gockelt er arrogant wie Graf Koks neben seinem überaus großen Herrchen her in der Gewissheit, nicht etwa der Gosse entsprungen zu sein, sondern einem alten Adelsgeschlecht.

Klack, Klack: Im Rhythmus tänzelnder Cowboystiefel tackert Bob den Asphalt, wirft einen Blick nach links und zwei Blicke nach rechts, immer auf der Suche nach Bestätigung. Bereits von Weiten sehen die Leute Bob wie einen Leuchtturm im Meer. Sie tuscheln. Sie lächeln. Sie schütteln ihre Köpfe im Gedankenmeer der Spießigkeit. Gehüllt im gediegenen Schwarz der Bürgerlichkeit und dem Lichterkranz der Scheinheiligkeit schweben sie über den Markt, erheben sich über das Außergewöhnliche.

Bob stört das nicht. Mit der Geduld eines älteren Herrn, der alle Zeit der Welt zu haben scheint, schlendert er über den Markt, ein Schwätzchen hier, ein Schwätzchen dort. Das verächtliche Grinsen in spiessigen Fratzen in seinem Rücken sieht er nicht. Selbst wenn: egal. Es gibt Schlimmeres, als das Gespött der Menschen zu sein.

Manchmal setzt er sich auf die kleine Mauer direkt am Eingang zum Markt. Mit wachen Augen beobachtet er das rege Treiben auf dem Markt, zieht an seiner Zigarre und denkt darüber nach, wie komisch doch Menschen sind.

Auch heute sitzt er wieder auf der Mauer. Nachdenklich ruhen Bobs Augen auf den Menschen. Kleine Kinder an den Händen ihrer Eltern, mürrische Jugendliche, deren Blick am Handy klebt, und alte Menschen, die sich mit der Geschwindigkeit einer Dampflok fortbewegen, fallen ihm ins Auge. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt.

In der Ferne ertönt ein Quietschen. Schreie aus dem tiefsten Inneren einer Seele brennen sich unauslöschlich in die Erinnerung ein, vernichten die Zukunft. Mit einem Satz erreicht Bob das Kind, reisst es mit sich und schleudert es auf den Gehweg. Und dann? Stille. Lediglich das Weinen des Kindes, begleitet vom durchdringenden Geheul Brunos, durchbricht das Schweigen. Reglos liegt Bob auf dem Boden – im rosafarbenen Mäntelchen, mit einem Cowboystiefel im strahlenden Weiß – und starrt in die Wolken. Vorbei. Jetzt lacht niemand mehr.