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Stimmung: in die Breite reifend

Neulich stand ich vor dem Spiegel – nackt und mit Flederausarmen – und dachte: ‚Interessant. Auch Wale können gehen.‘ Klar, natürlich … Welche Frau sieht mit 50 in den Spiegel und sagt: „Hey, was für schöne Brüste. Noch 10 Zentimeter und ich kann euch in den Bund der Yoga-Hose stecken“? Andererseits sagte ich mir, dass ein guter Wein auch reifen muss. Bei mir reift er eben in die Breite.

Pünktlich zum 50. Geburtstag begann ich mit der Suche nach meiner Taille. Dort, wo früher noch eine zarte Rundung zu sehen war, befanden sich nun Wohlfühlpolster. Das klingt charmant – und ist es manchmal auch. Nur eben nicht morgens, nackt, mit schlechter Beleuchtung.

Ich habe alles versucht: Ich machte Yoga, stemmte Hanteln und ließ meinen Frust an meinem Crosstrainer aus. Nichts half. Immer kam das Leben dazwischen: der Geburtstag der Nachbarin fünf Straßen weiter, ein chaotischer Chef, der mich zur Schokolade greifen ließ, Weihnachten in sechs Monaten, der traurige Film, der langweilige Abend… Die Liste ist endlos.

Fakt ist: Ich bin schwach. Jedenfalls kämpfe ich mit meinen Pfunden. Ich bin ein sogenannter Apfel. Rund, rosig – nur nicht mehr knackig. Ich meine, es gibt Schlimmeres, als ein Apfel zu sein. Immerhin rolle ich bergab schneller die Straße runter.

Und vielleicht ist das ja gar nicht so schlecht – ein Apfel zu sein. Einer, der das Leben ein bisschen weicher nimmt, nicht mehr ganz so makellos, aber voller Geschmack. Kein perfekter Granny Smith, eher ein Boskop mit Geschichte. Mit Sonne auf der Schale, ein paar Flecken im Herzen – und genau richtig, wenn das Leben nach etwas Echtem verlangt.