Als ich wieder anfing zu schreiben, bin ich anfangs fast verzweifelt. Es war so, als würde ich „zu früh kommen“ – natürlich nur im übertragenen Sinn. Für mich war alles gesagt. Jedes weitere Wort wirkte einfach falsch – zu viel. Und irgendwie zerstörte es die Wirkung. Erst später bekam das Kind einen Namen: Flash Fiction oder Kürzest-/Kurzprosa.
Das sind Überbegriffe für sehr kurze Prosa, die trotzdem eine vollständige Geschichte erzählt. Laut Definition dieses Genres dürfen Texte höchstens 1000 Wörter lang sein. Kürzestprosa kommt sogar mit 100 Wörtern aus. Meine Texte bewegen sich irgendwo dazwischen.
Trotzdem muss Kurz- oder Kürzestprosa eine Handlung haben: ein Anfang und ein Ende. Sie kann witzig, absurd, morbid oder spannend sein. Wichtig ist, dass sie mit einem überraschenden Twist endet. Meine Texte sind meistens morbid oder absurd. Auf jeden Fall ist Kurzprosa hervorragend dazu geeignet, Emotionen zu beherrschen oder abzubauen.
Kürzestprosa ist meistens intuitiv. Ein Plot würde jede Wirkung zunichte machen. Ich schreibe oft aus dem Moment heraus. Häufig ist es einfach nur ein Wort, das mich triggert, ein Gespräch, ein Gefühl. Niemals jedoch habe ich einen Plot dafür. Deswegen ist Kürzestprosa auch eine Form der Therapie.
Während Flash Fiction in Lateinamerika, USA oder Großbritannien einen wahren Boom erlebt, wird Kurzprosa in Deutschland eher stiefmütterlich behandelt. Doch auch hier entwickelt sich langsam eine Bewegung. Langsam, aber stetig.