Seien wir doch mal ehrlich: Als der Hype mit Chat GPT & Co. vor knapp vier Jahren begann, waren wir doch alle neugierig, was das LLM (Large Language Model) so kann. Auch ich testete fröhlich mit Chattie (So nannte ich damals die KI.) Textstrukturen, Verbesserungen an Stil, Tonalität etc.
Schon bald wurde ich unzufriedener mit den Ergebnissen. Ich hatte nicht nur das Gefühl, dass Chattie versuchte, mich zu lenken. Sie veränderte auch meine Art zu schreiben und zu denken. Meine Texte klangen nicht mehr nach mir und meiner Stimme. Vielmehr spürte ich eine gewisse Hektik zwischen den Zeilen. Manchmal war ich nach der Lektüre der „verbesserten“ Texte nervös, weil ich mich gehetzt fühlte. Zusätzlich fiel mir eine starke Ähnlichkeit zwischen einigen Texten auf. Phrasen wiederholten sich und nahmen meinen Werken ein Stück ihrer Identität und damit meiner Autorenidentität.
Das wollte ich nicht und verwendete wieder nur meinen Kopf. Heute nutze ich Perplexity und Gemini zur Recherche und nicht für Textkorrekturen und Chattie staubt fröhlich in ihrer Basis-Version fröhlich vor sich hin. 🙂
Kann KI die Autorenstimme verändern? Ja, absolut. Fungieren sie im ersten Moment als Leistungsverstärker, schwächen sie im weiteren Verlauf die menschlichen Fähigkeiten. Wer regelmäßig auf KI-Unterstützung zurückgreift, riskiert eine schleichende Homogenisierung der eigenen Ideenwelt und eine Schwächung der Fähigkeit, ohne Hilfsmittel originell zu denken. Damit geht auch die individuelle Autorenstimme verloren und Texte verlieren ihre Einzigartigkeit. Und je mehr Autoren LLMs nutzen, desto mehr geht die Individualität verloren, denn LLMs „leben“ vom Training, d. h. den Daten, mit denen sie täglich gefüttert werden.
Das Ergebnis: langweilige Texte in einem Meer aus Einheitsbrei. Es stellt sich also nicht die Frage, ob KI die menschliche Kreativität verändern kann, sondern vielmehr, ob wir das zulassen (Stichwort: KI-Kompetenz).