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Freunde fragten mich einmal, wie ich es schaffe, ein Buch zu schreiben. Nun ja: Gar nicht. Ich gebe es zu: Ich bin ein Kurzstreckenschreiber. Sobald der Plot fertig ist, langweilt mich die Geschichte, denn ich weiß ja nun, wie sie ausgeht.

Ich bin eher die Schreiberline, die aus wenigen Worten eine Geschichte macht. Kurz: Kürzestprosa. Dann entstehen Texte wie dieser: „Zwei Waffen. Ein Schuss. Nur einer kehrt heim.“ Man kann aus acht Worten einen Roman im Kopf eines anderen schaffen.

Nehmen wir einmal diese acht Worte: Zwei Waffen. Ein Schuss. Nur einer kehrt heim.

Ganze Spielfilme laufen bei diesen Worten in meinem Kopf ab. Beispielsweise ein Duell wegen einer schönen Frau. In den frühen Morgenstunden stehen sich zwei Männer im morgendlichen Nebel gegenüber. Der eine jung – ein Heißsporn. Der andere bereits gesetzter mit grau-melierten Schläfen und einem Gehstock in der linken Hand. In der rechten hält er die Waffe. Diesem Duell ging das Werben um eine junge Adlige voraus, die sich einfach nicht entscheiden konnte. Also übernehmen dies die Widersacher. Nach dem Duell schwebt eine gespenstige Stille über der Wiese. Selbst die Vögel schweigen. Am Boden liegt der jüngere, der in seinem jugendlichen Übermut die Erfahrung des Alters unterschätzt hat und dies mit seinem Leben bezahlt hat.

Der Ältere flüchtet und wird seitdem gesucht. Die entscheidungsunfreudige junge Frau hingegen geht ins Kloster und wird die Geliebte Gottes.

Eine tragische Geschichte – erzählt in acht Worten.

Kürzestprosa ist die Fähigkeit, eine Geschichte so zu verdichten, dass sie sich größtenteils im Kopf des Lesers abspielt. Wozu also ein Buch schreiben, wenn die Fantasie des Lesers nun doch der bessere Autor ist?🙂