Wir haben ein besonderes Verhältnis zueinander – die Nacht und ich. Punkt 3 Uhr wache ich auf – hellwach wie ein Eichhörnchen nach dem Winterschlaf. Das leise Rüsseln des mir Angetrauten und das wonnige Sägen Lunas begleiten mich durch meine Gedanken – Monat für Monat. Während andere schlafen, bin ich Darsteller in meinem eigenen „Schlaflos in Seattle“ – nur ohne Romanze und heiße Liebesszenen. Ok, das hat auch Vorteile. Nachts bin ich am kreativsten und habe die besten Ideen. Nur leider fehlt mir dann am Tag die Energie, die auch umzusetzen. Und sind wir doch mal ehrlich: Ab 50 steckt man zwei oder drei anstrengende Tage nach einer schlaflosen Nacht vielleicht noch weg. Tag 4 wird schon kritisch. Dann kann auch mal das Geschirr fliegen.
Irgendwann hatte ich genug und besuchte meine Frauenärztin. Allein zwischen Schwangeren fühlte ich mich so fehl am Platz wie ein Regenwurm in der heißen Sommersonne. Ich versuchte, mich auf dem Wartezimmerstuhl zusammenzufalten, als könnte ich mich so unsichtbar machen. Neben mir eine junge Frau mit Kugelbauch, rechts neben mir ein Pärchen, das sich begeistert Ultraschallbilder ansah. Und ich? Ich wollte nur über Schlaf reden. Und Hormone – und über diese absurde Mischung aus müde und aufgedreht, aus gereizt und erschöpft, aus „Ich kann nicht mehr“ und „Ich muss doch funktionieren.“
Meine Frauenärztin hörte mir geduldig zu, nickte verständnisvoll und meinte dann in beruhigendem Ton: „Das ist ganz normal in Ihrer Lebensphase.“ Na sowas. Wer hätte das gedacht? Einerseits war es tröstlich, andererseits hätte ich gern mal wieder durchgeschlafen – ohne Rüsseln, ohne kreative Phasen, ohne tiefsinnige Gedanken, die in der Müdigkeit des darauffolgenden Tages im Nirgendwo verschwanden, ungeschrieben, ungehört, ungelesen. Ich verließ die Praxis mit einem Rezept für pflanzliche Tropfen, einem Flyer zum Thema „Schlafhygiene“ und dem Gefühl, dass ich wenigstens nicht allein bin. Dieser Trost hielt genau eine Woche, in der sich mein Körper schlapplachte über die Tropfen. Ich war verzweifelt. Wenn mir meine Frauenärztin nicht helfen konnte, wer dann?