Ich beweise gerade Mut zur Lücke – auch im Zyklus. Ja, die Wechseljahre – oder das hormonische Durcheinander, wie ich es gern nenne – machen viel Spaß. Ich habe keine Periode mehr, sondern biblische Ereignisse. Man könnte auch sagen: Wenn ich menstruiere, weinen Tampons. Als mich meine Frauenärztin fragte, wie ich mich fühle, antwortete ich nicht mit Worten, sondern mit einem Blick, so vernichtend, dass selbst Tschernobyl dagegen wie ein Teelicht wirkte. “Ausgeblutet” wäre die charmante Version.
Die Wahrheit: Ich war eine wandelnde Mischung aus leeren Eisenreserven, schlaflosen Nächten und spontanen Heulanfällen in Supermarktkassenbereichen. Kurz: ein hormonelles Wrack mit Lippenstift. Nun muss ich sagen: Meine Frauenärztin ist wirklich eine Nette. Sie hat nicht nur warme Hände, sondern auch einen Sinn für meinen Humor. Statt belehrender Vorträge blätterte sie mir einen kleinen, aber feinen Katalog an Optionen für meinen alternden Körper vor: Hormone. Spirale. Oder – der ganz große Wurf – “Wir setzen die Gebärmutter außer Gefecht.” Ein Satz, der mich kurz hyperventilieren ließ. Zwischen Schnappatmung und Panikattacke kreisten meine Gedanken wie ein Fisch im Glas – ziellos, aber mit Tempo – oder wie ein Flohzirkus auf Koffein.
Hormone? Never. Ich habe mir gerade mühsam vier Kilo runtergehungert und plane nicht, sie mit Östrogen und Progesteron wieder einzuladen. Spirale? Mit 50? Blieb also die krasse Variante. Gebärmutter: Game over.
Mein Mann warf mir einen leicht irritierten Blick zu, als ich mit einer schwungvollen Bewegung die Handtasche nach hinten in die Ecke warf und nach vorn die Worte schmetterte: „So, mein Schatz. In ein paar Monaten schwimmen deine Fischlein nur noch im Trockenen.“ Die Drei Fragezeichen waren gar nichts gegen das eine, monumentale Fragezeichen in seinem Gesicht. Also machte ich’s kurz: „Das war’s jetzt mit dem Kinderkriegen.“
Er sagte erstmal nichts. Nur dieser Blick – irgendwo zwischen Schockstarre, Rechenfehler und „Ich wollte doch nur den Müll rausbringen“. Ich grinste. „Keine Panik, du bleibst mir als Lebensabschnittspartner erhalten. Nur meine Gebärmutter hat gekündigt.“
Er holte tief Luft, nickte langsam – wie jemand, der gerade versucht, ein fremdsprachiges Handbuch für eine Waschmaschine zu verstehen – und verschwand in Richtung Kühlschrank. Er brauchte ein Bier. Ich eine Wärmflasche und meine beste Freundin. Denn eines war klar: Wenn hier jemand tröstende Worte, Schokolade und hysterisches Lachen brauchte, dann ich. Oder wir beide. In wechselnder Reihenfolge.