„Hast du auch Hunger?“, fragt mich der mir Angetraute und sieht mich traurig an. Ich kenne diesen Blick. Ich nenne ihn den Tapsbär-Hundeblick. Nicht einmal Lassie konnte so traurig-treu schauen, wie der mir Angetraute, wenn er Hunger hat.

Das Problem ist auch nicht sein Hunger, sondern der Appetit, der zu ausgelassenen Chips-/Nuss-Abenden bei ihm führt. Die Ursache seiner überflüssigen Pfunde schiebt er dann immer auf die unfähige Waschmaschine, die nicht nur Socken frisst, sondern auch die Kleidung minimiert.

Dieses Phänomen betrifft nicht nur ihn. Auch ich staune oft darüber, dass Hosen und Shirts plötzlich nicht mehr passen.

Jedenfalls wirft er mir diesen Blick zu – den Blick, der mütterliche Urinstinkte weckt und mich dazu bewegt, ihm eine Karotte zu bringen. Nein, Scherz beiseite. Ich bringe ihm natürlich gar nichts, sondern streichele liebevoll seinen Bauch und hauche zärtlich in sein Ohr: „Wann kommt es denn?“

Das findet der mir Angetraute gar nicht lustig und tätschelt nun seinerseits meinen Hintern, der kontinuierlich seit meinem 50. wächst – leider in die falsche Richtung. Statt knackig-straff, sieht er eher wie eine Flunder aus.

„Nun, Butzi, der war auch schon mal kleiner und knackiger.“, wirft er mir mit dem Feingefühl eines kanadischen Holzfällers im Vollrausch in mein ahnungsloses Gesicht.

Meine Antwort landet punktgenau – auf seinem Oberarm, auf dem nur langsam der Abdruck meiner Faust verblasst.

„Aua, Gewalt in der Ehe. Das ist ein Scheidungsgrund“, ruft er und krabbelt mich durch.

Früher wäre das in einer Kissenschlacht und dann im wilden Matratzensport geendet. Heute verstecke ich dezent meine Pölsterchen züchtig unter einem Pyjama, in dem selbst Schwarzenegger untergehen würde.

Er hingegen reißt sich alle Klamotten vom Leib, dreht sich um und schläft – als wäre nichts gewesen und als hätte mein Kopf gerade nicht angefangen, Überstunden zu machen. Zurück bleibe ich mit 150 Selbstzweifeln à la „Kommt Greenpeace und holt mich vom Strand?“, „Wie viel Licht sollte ich einsetzen, um optimal in Szene gesetzt zu werden?“ und „Sackkleider werden wieder modern“.