„Mein Rücken bringt mich noch um“, stöhne ich und reibe mir schmerzerfüllt meinen Rücken. Die Geißel der Menschhehit hatte mich fest in der Hand. Von der ewigen Sitzerei vor dem Monitor gequält, probten meine Muskeln den Aufstand und verspannten sich nicht nur ein wenig, sondern so stark, dass mich die Schmerzen fast umbrachten. Kurz: Es waren keine normalen Rückenschmerzen. Vielmehr waren es Schmerzen, die sich den Ischias entlang bis in meine Füße schlichen und mir förmlich den letzten Nerv raubten. Ein Experte musste her. Obwohl ich die Weißkittel lieber von hinten als von vorn sehe, sprach ich bei einem von ihnen vor.
„Was fehlt Ihnen denn?“
Der Gott in Weiß sprach zu mir. Ehrfürchtig neigte ich mein Haupt, faltete die Hände in meinem Schoß und flüsterte:
„Ich weiß es nicht, oh Herr. Mit Ihrer göttlichen Gnade hoffe ich auf Erleuchtung.“
Ich bemerkte den kleinen Moment des Zögerns und grinste in mich rein. Unsicher tastete er an mir rum, drückte hier, drückte da. Ich ächzte und stöhnte bei jedem Griff. Langsam wurde er ungeduldig.
„Also…“, sagte ich. „Wenn ich diesen und diesen hier mache und dabei tief runter gehe, mich nach hinten verbiege, beide Beine in die Luft werfe und dabei mit den Armen wedele, verliere ich das Gleichgewicht. Können Sie mir helfen?“
Ich glaube, er konnte meine Beschwerden nicht deuten. Statt einer Diagnose bekam ich einen Rauswurf und die Empfehlung für einen Kollegen. Ich weiß zwar nicht, was meine Psyche mit meinem Gleichgewicht zu tun hat. Aber vielleicht kann er mir ja helfen. Und so ging ich – keineswegs lächelnd, eher mit der Mimik eines Wrestlers kurz vorm Gong.
Tatsächlich berichten zahlreiche Fachleute, dass Fehldiagnosen in den Wechseljahren „kein Einzelfall“, sondern ein weit verbreitetes Problem sind. Grund: Viele Ärztinnen und Ärzte wissen zu wenig über diese Lebensphase. Beschwerden wie Erschöpfung, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, massive Muskelverspannungen oder Konzentrationsprobleme werden dann als Burnout, Depression oder „Stress“ eingeordnet, ohne die hormonelle Situation ausreichend mitzudenken. Expertinnen kritisieren zudem, dass psychische Beschwerden von Frauen in den Wechseljahren häufig bagatellisiert oder vorschnell als „nur psychisch“ abgestempelt werden. Es existieren sogar Berichte dazu, dass manche Frauen sogar in einer Burnout-Klinik landen, bevor jemand erkennt, dass ihre Probleme vor allem mit den Wechseljahren zusammenhängen.
Auch meine Hormone tanzen seit einigen Monaten Samba und sorgen regelmäßig für homornelle Achterbahnfahrten – vor allem in meinen Muskeln. Seitdem lernte ich viele Experten kennen. Weise neigten sie ihr Haupt, betrachteten mich aus der Ferne und beschlossen, dass ich hysterisch sei. Eine Zeitlang glaubte ich das selbst, bis ich eine Physiotherapeutin traf, die nicht weise ihr Haupt neigte und betrachtete, sondern mich berührte. Nun: Manchmal wirkt das Wunder.