„Ich bin traurig“, sagte ich und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Ich würde keinen Trost bekommen. Sein hilfloses Gesicht und das halbherzige Tätscheln verrieten seine Hilflosigkeit.

Meine Hündin war gestorben und ich hatte das Gefühl, dass mir das Herz herausgerissen wurde. Ich weinte viel – meist in unpassenden Situationen. Dabei lernte ich eines: Viele Männer fürchten sich vor fremden Tränen. Nicht, dass sie dann die Beine in die Hand nehmen und das Weite suchen. Vielmehr ist es ein unsicheres Zusehen, das nicht selten in männlichen Hilferufen nach Unterstützung endet.

Der mir Angetraute kann trösten. Er schließt mich dann fest in seine warmen Bärenarme, drückt meinen Kopf in die Kuhle zwischen Schlüsselbein und Hals und schweigt – eine Minute Maximum. Dann reißt er einen Witz wie „Wenn du weiter so viel weinst, haben wir bald unseren eigenen Teich.“ Meistens muss ich dann lachen. Das löscht zwar nicht den Schmerz und die Traurigkeit, lenkt aber ab.

Mein Freund (der Mann vor dem mir Angetrauten) tätschelte mir in solchen Situationen meist etwas die Schulter und schob wichtige Termine vor. Zurück blieb ich – mit meinen Tränen und dem Gefühl, allein zu sein

Viele Jungen lernen früh, dass Weinen, Bedürftigkeit oder Hilfesuchen „unmännlich“ seien. Manche Männer sind in Familien oder Beziehungen aufgewachsen, in denen Trost kaum vorgelebt wurde, deshalb fehlt ihnen schlicht ein Modell dafür.

Solltest du ein hilfloses Trostmännermodell daheim haben, hilft es meistens, konkret zu sagen, was du brauchst. So etwas Ähnliches wie „Hör mir bitte nur zu“ oder „Nimm mich kurz in den Arm“. Mit etwas Glück hört das hilflose Exemplar zu.

Kritisch wird es bei Vorwürfen wie „Du kannst mich nie trösten.“ Dann nämlich holt der Angegriffene zum Gegenschlag aus. Der Schutzschild wird ausgefahren und die Waffe gezückt.

Nicht jeder, der schlecht tröstet, ist gefühlskalt. Manche zeigen Fürsorge eher durch praktische Hilfe, andere durch Worte, und wieder andere müssen Trost erst lernen. Wichtig ist der Wille, es überhaupt zu versuchen.