Es ist Montag. Nicht irgendein Montag. Es ist der erste Montag im November. Davon mal abgesehen, dass die Woche neu begonnen hat und damit der Arbeitsalltag, ist es draußen so grau, dass selbst der Herbst darüber nachdenkt, in Therapie zu gehen. Das drückt auf die Stimmung – vor allem dann, wenn die Hormone in dir beschlossen haben, einen eigenen Vergnügungspark zu eröffnen. In meinem menopausen-gebeutelten Körper tobt ein erbarmungsloser Kampf zwischen Testosteron und Östrogen – kurz: Wut vs. Depression. Meine Stimmungen sind so abwechslungsreich wie das Buffet im China-Restaurant.
Neulich gestand mir der mir Angetraute seine noch immer andauernde Liebe. Wo andere Frauen ein herzliches Lächeln und einen liebevollen Kuss in die Runde geschickt hätten, strömten bei mir sintflutartig die Tränen aus den Augen. Nicht etwa aus Freude. Es war eher eine Mischung aus tiefer Traurigkeit, Weltschmerz und Verlustangst. Düster sagte ich zu ihm: „In mir, mein Freund, wohnt das Herz einer Kriegerin und der Geist eines Dichters.“ Er verstand mich nicht. Ich spürte förmlich, wie seine Gedanken rasten: Lieber 112 oder gleich die Irrenanstalt? Danach herrschte erst einmal Stille zwischen uns. Gedanklich sah ich mich schon die Scheidungspapiere unterschreiben. Gott sei Dank gewann das Östrogen irgendwann die Oberhand und ich smilte in die Welt, als hätte gerade die Lottogesellschaft angerufen. Schön wäre es gewesen, denn mein Konto war inzwischen so verzweifelt, dass es beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen mich eingereicht hat. Während mein Körper nach Erholung schrie, flehte mich mein Konto um Erlösung an. Ich meine, ich verstehe das. Mein Konto ist nicht einfach nur leer. Es ist so leer wie mein Portemonnaie nach dem Sommerschlussverkauf. Ok, mein letzter Sommerschlussverkauf liegt Jahrzehnte zurück. Ich nenne es die Zeit vor dem Tag X. Die Zeit, in der ich noch eine Taille hatte und meine Waage nicht vor Qualen schrie, sobald ich sie bestieg. Es war die Zeit vor dem Wechsel – ins geistige Nirvana. Und dorthin gehe ich jetzt zurück – bis Freitag, denn dann beginnt das Leben.