Da sitze ich nun vor meinem Blatt Papier – den Kopf voller Ideen, aber ohne Gedanken. Kurz: Mein Kopf fühlt sich so leer an, wie das letzte Glas Wein kurz vor der Sperrstunde, und alles, was ich weiß, ist, dass ich nichts weiß. Na immerhin etwas, denke ich, und versuche frustriert, meinen Bleistift im Papierkorb zu versenken. Der missbilligende Blick unserer Königin trifft mich bis ins Herz. Loser, scheint er zu sagen. Du bekommst es ohnehin nicht hin, flüstert er mir ungesagte Worte ins Ohr. Ich sitze vor den Scherben meines Seins.

Ok, sind wir mal nicht so melodramatisch, aber der Satz ist verdammt gut. Der muss aufs Papier. Morgen mache ich eine Geschichte draus. Oder übermorgen, falls mir etwas einfällt.

„Du bist eben doch eine Dramaqueen, Mädel.“ Ich rede schon wieder mit mir selbst. Gott sei Dank bemerkt das niemand – außer der Königin von Saba, unser stolzes Hovawart-Mädchen vom Dettenbach. Mit der Mimik einer Rektorin sagt sie mir das, was ich seit Wochen denke: Bekomme deinen Arsch hoch und sieh zu, dass du Kohle für mein Futter nach Hause bringst. Ok, der Wortlaut ist etwas anders, aber grundsätzlich stimmt er schon. Wenn ich nicht bald etwas Gescheites aufs Papier bringe, verhungern wir. Ich wahrscheinlich zuerst, dann der mir Angetraute und dann Luna. Sie hält am längsten durch – dank unseres vorzeitigen Ablebens.

Und wieder sitze ich vor dem leeren Blatt Papier und träume davon, Ernest Hemingway zu sein: die alte Frau und der Stift – in die Moderne übersetzt. Wenn ich weiter so mit mir und meinem Talent hadere, wird es keine Stifte mehr geben, sondern Technologien, die mich dann endgültig ins Abseits schießen – mit der Gewalt einer Kanonenkugel mit Dreifach-Schub.

Schluss jetzt. Ich muss nachdenken – über mich, den Stift und das Leben an sich. Und wenn nichts daraus wird, schreibe ich zumindest darüber.