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Wenn die Nächte kühler werden und Spinnen ihre Netze weben, hängt auch der Dickdunst über dem Boden.

„Dickdunstig“ ist ein Wort, das Thomas Mann in seiner berühmten Novelle „Der Tod in Venedig“ erschuf. Er beschrieb damit die fiebrige, tropische Sumpflandschaft in der Vision von Gustav von Aschenbach.

In der Literatur transportiert „dickdunstig“ Stimmungen wie

  • Schwüle: Die Luft fühlt sich heiß, feucht und drückend an.
  • Bedrohung und Unheil: Der dichte Dunst verbirgt Gefahren.
  • Traumhaft oder fiebrig: Die Konturen der Welt verschwimmen. Es wirkt alles surreal und wie in einem Fieberwahn.

Ich persönlich finde dieses Wort perfekt für intuitive Texte mit mystischem, düsterem Charakter geeignet.

Mir fällt dazu Folgendes ein:

September

Es war bereits vorher klar, dass er nicht die Beförderung bekommen würde. Alle wussten das. Sogar die Mäuse in der Kantine grinsten von einem Ohr zum anderen, wenn sie ihn sahen. Er, der ruhige, nette, immer höfliche Typ von nebenan, war so angepasst, dass selbst ein Gummiband neidisch geworden wäre.

An jenem Morgen aber war etwas anders. Dickdunstig lag die Luft über den Häusern. Fast ein wenig schwermütig schmiegten sie sich in den Nebel, der sich über Nacht wie ein Schleier über die Stadt gelegt hatte.

Ja, auch Schwermut sollte sich bald über den Ort legen und Teil der Geschichte werden. Eine Waffe soll er gehabt haben. Aus dem 2. Weltkrieg. Niemand wusste, woher er sie hatte. Was aber jeder wusste: An jenem Tag änderte sich die Zeitrechnung im kollektiven Gedächtnis – auf ewig.