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Früher fühlte ich mich wie ein Schriftsteller-Bauchladen: Gefühlt schrieb ich über alles in jedem Genre. Die Genre-Vielfalt ist geblieben, aber ich habe meinen roten Faden gefunden. Warum das wichtig ist? Ganz einfach: Wer als intuitiver Schreiber sein Grundthema nicht kennt, kann sich schnell verlieren. So ging es mir zumindest.

Das Grundthema finden

Ich bin eine intuitive Schreiberin. Plots zu entwickeln, sind für mich in etwa so spannend, wie „Krieg und Frieden“ im Urlaub am Strand zu lesen. Ich schreibe aus einem Gefühl, einem Wort, einer Stimmung, einem Gedanken heraus – kurz: aus einem Impuls. Meistens in der Nacht, denn dann kann ich meine Gedanken auch hören.

Umso schwieriger ist es aber auch, sein Grundthema zu sehen. Ich dachte lange Zeit, ich wäre einfach eine Mischung zwischen Stephen King und Ildikó von Kürthy – nur nicht ganz so gut (versteht sich von selbst smile). Bis ich in einer schlaflosen Wechseljahres-Nacht anfing, über meine bisherigen Texte nachzudenken. Und es zeigte sich ein Muster: Verlust, Trauer und Einsamkeit. Mit dieser Erkenntnis fühlte ich mich zwar gleich ein wenig mehr reif für eine Therapie, aber auch erleichtert. Endlich wusste ich, was meine Navigation ist: mein Grundgefühl. Ich bin ein melancholischer Mensch – nicht depressiv, aber sehr nachdenklich und in sich ruhend. Und diese Innenwelt ist das, was ich nach außen trage. 

So kannst du dein Grundthema finden

Ein intuitiver Schreiber beginnt nicht unbedingt mit einem klar formulierten Thema. Er folgt zunächst einer Stimme, einem Bild, einer Figur oder Stimmung. Während des Schreibens zeigt sich, worum es eigentlich geht. Sein Grundthema kommt also nicht von außen als Aufgabe, sondern wächst aus seinen eigenen Erfahrungen, Fragen, Ängsten, Sehnsüchten und Beobachtungen. 

Das Grundthema eines intuitiven Schreibers ist vielmehr seine wiederkehrende innere Frage. Er formuliert sie nicht unbedingt vor dem ersten Satz. Aber indem er schreibt, begegnet sie ihm immer wieder – in anderen Figuren, anderen Geschichten und anderen Bildern. Bei mir sind es eben Trauer, Verlust und Einsamkeit.

Ein mögliches Grundthema hat meist diese Merkmale:

Es kehrt in unterschiedlichen Texten wieder, auch wenn Handlung und Figuren wechseln.

  • Es weckt Gefühle, nicht nur Gedanken.
  • Es ist ambivalent: Der Schreiber kennt nicht nur eine „richtige“ Antwort.
  • Es lässt sich in konkreten Szenen zeigen.
  • Es entwickelt sich weiter, statt nach einem Text erledigt zu sein.
  • Es ist persönlich genug, um Energie zu geben, und allgemein genug, dass andere Menschen darin etwas Eigenes erkennen können.

Du solltest dich dabei nicht zu früh auf eine einzige Formel festlegen. Das Grundthema darf sich zunächst als Motivbündel zeigen – etwa „Heimat, Rückkehr, Fremdheit“ – und erst später zur tieferen Frage reifen: „Wo gehört ein Mensch hin, wenn sein früheres Zuhause ihn nicht mehr aufnehmen kann?“

Was eher nicht hilft

  • Ein Thema zu wählen, weil es aktuell, wichtig oder verkäuflich wirkt.
  • Die eigene Biografie eins zu eins erzählen zu müssen.
  • Nach wenigen Schreibseiten eine endgültige Diagnose zu verlangen.
  • Das Thema im Text erklären zu wollen, statt es durch Handlung, Bild und Konflikt erfahrbar zu machen.
  • Das eigene wiederkehrende Motiv abzuwerten, weil es „schon wieder“ vorkommt.

Gerade dieses „schon wieder“ ist oft der entscheidende Hinweis. Nicht jede Wiederholung ist ein Mangel; sie kann die Spur zu dem sein, was ein Schreiber wirklich zu erkunden hat.

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So findest du dein Grundthema