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Agathe ist eine agile Frau. Jeden Morgen springt sie aus ihrem Bett, setzt einen Fuß vor dem anderen – fast so, als würde sie in den Tag tanzen. Agathe liebt das Leben. Sie kann es morgens nicht erwarten, zu sehen, was der Tag so bringt. Würde heute die Sonne so schön wie gestern scheinen? Oder würde der Regen im Rhythmus des Windes gegen ihre Fenster schlagen und Heimeligkeit in ihren Wänden verbreiten? Natürlich könnte Agathe den Wetterbericht lesen oder sich den Wetterfrosch in ihrem Schlagerkanal antun. Das möchte sie aber nicht, denn dann wäre die Vorfreude auf den Tag verloren.

„Na, ihr kleinen Vöglein. Habt ihr auch so gut geschlafen wie ich?“ Agathe hat ein Herz für Tiere – für alle Tiere. Auch Spinnen leben gut bei ihr. Fast wie ein Hexenhäuschen wirkt ihre kleine Wohnung inmitten der Stadt. In den Ecken weben ihre achtbeinigen Mitbewohner fleißig ihre Netze, lassen acht Augen durch die Gegend schweifen. Ach, wie schön gemütlich lässt es sich hier leben, denken sie.

Köstlicher Kaffeeduft zieht durch die Wohnung, wabert in alle Ritzen, vertreibt den Geruch nach Moder. Das Feuer bullert im Kamin, verbreitet eine wohlige Wärme. Es könnte so gemütlich sein.

Frisch onduliert und fesch herausgemacht sitzt Agathe in ihrer Küche. Um ihre Beine streicht Kater Karl, verwegen den Schwanz hochgehoben – wie Graf Koks in seinen besten Zeiten. „Nein, mein Kleiner. Du bist noch nicht dran. Erst muss ich mich um Paul kümmern. Ich komme gleich wieder.“ Sacht streichelt die kleine Alte über das Fell, ignoriert das unwillige Fauchen. Leise knarrt ihr Stuhl, hinterlässt unschöne Striemen auf dem Boden. Was soll’s? Ich bin alt, denkt sie und öffnet die Tür. Der Körper auf dem Bett liegt still. Spinnweben glitzern in der Morgensonne, verleihen dem Menschen fast etwas Märchenhaftes.

„Liebling, wie hast du denn geschlafen? Ich habe dich gar nicht schnarchen gehört.“, so sanft wie eben Kater Karl gleitet nun Agathes Hand über das Gesicht des Mannes. Bewegungslos, atemlos, leblos liegt er da und lässt über sich ergehen, was er nicht mehr ändern kann. Lange sitzt Agathe an seinem Bett, streichelt ihn, redet mit ihm, erzählt, schweigt – so wie immer, seit er eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht ist. Agathe weiß das nicht. In ihrer Welt ist sie nicht allein. Sie ist glücklich. Und die Sonne scheint.