Mehr als jeder zweite Deutsche ist übergewichtig, lese ich und betrachte nachdenklich die Pölsterchen um meine Hüften, die pünktlich zum 50. wie von Zauberhand erschienen. Seitdem kämpfe ich: mehrmals pro Woche Yoga und Kraftsport, dazu tägliches Gehen und Crosstrainer. Und trotzdem wirken meine Pölsterchen, als gäbe es dort Gratisessen.
Neulich stand ich vor dem Spiegel – nackt, so wie mich Gott erschuf (Nur, dass ich da wesentlich kleiner und mindestens 90 Kilogramm leichter war.) Jedenfalls stand ich da so und dachte: Interessant. Auch Wale können gehen, warf mir ein T-Shirt-Zelt über meinen hormongebeutelten Körper und beschloss, nie wieder zu essen.
Das war der Plan. Dann hatte meine Nachbarin Geburtstag, mein Chef nervte, der Job stresste und ich schwamm im Wechselbad der Hormone – hilflos wie eine Ente im Whirlpool.
Schon längst hat meine Waage die Koffer gepackt, mir zum Abschied zugewunken und viel Glück gewünscht. Meine Jeans versteckt sich regelmäßig im Schrank, aus Angst aus den Nähten zu platzen und der mir Angetraute drängt mich zum Sport.
Irgendwann hatte er mich so weit: Ich meldete mich zum Stepaerobic an. Hätte ich damals gewusst, was da auf mich zukam, wäre ich lieber ins Fitnessstudio gegangen.
Pünktlich zum Kursbeginn stand ich vor der Tür – mit Schweißband, Schlabberhosen und einem Sweatshirt, in das locker zwei Schwarzenegger reingepasst hätten. Um mich herum die junge Cindy Crawford in Reinkarnation. Hautenge Trikots schmiegten sich an elfengleiche Körper, die so fettfrei wie ein Salatkopf waren. Und dann begann mein Verderben, mein persönliches Waterloo. Bereits nach zwei Minuten japste ich wie ein gestrandeter Wal mit akuter Atemnot. Schweiß rann mir an Orten herab, von denen ich nicht mal wusste, dass die schwitzen konnten. Mein Gesicht – so rot wie eine Tomate – glänzte wie eine frische Fettschwarte und rief die Trainerin auf den Plan. Besorgt stand sie vor mir – die topgestylte 20-Jährige mit der Haut eines Pfirsichs und dem Körper einer Göttin. Ob ich ok wäre oder einen Arzt bräuchte.
Ich? Iwo. Aber eine Sauerstoffmaske und ein Handtuch wären nett. Ein Loch wäre auch ganz toll, in das ich mit meinem 50 Jahre alten Körper verschwinden konnte.
Und wieder hämmerten die Bässe und grazile Körper bogen sich in alle Richtungen – bis auf meinen. Wo andere Koordination besitzen, gibt es bei mir Chaos. Arme und Beine tanzten nach ihrem eigenen Rhythmus. Kurz dachte ich darüber nach, ob ein Nebenjob als Hampelmann lukrativ wäre.
Irgendwann war die Stunde vorbei. Klatschnass, mit schmerzenden Muskeln und einem Sauerstoffdefizit knapp am Erstickungstod schleppte ich mich ins Auto und schwor mir, vielleicht doch lieber mit Finger-Yoga zu beginnen.
Ich weiß nicht, ob ich jemals meine Wechseljahrespfunde verlieren werde. Ich jedenfalls habe beschlossen, das Beste daraus zu machen: gesund essen, Sport treiben und ansonsten ich selbst sein.